© Heinz Gruber, Bundesdenkmalamt

 Frühjahr 2019, Deinham bei Eferding. Der große Schaufelbagger holt wie jeden Tag Kies aus dem Wasser nahe der Donau. Doch plötzlich hängen merkwürdige Stücke in der Schaufel: verrostet, rund 30 Zentimeter lang, an beiden Enden spitz. Viele hätten sie für Altmetall gehalten. Die Mitarbeiter im Kieswerk schauen genauer hin und melden den Fund dem Bundesdenkmalamt. Eine Entscheidung mit Folgen: Heute steht fest, dass sie den größten Fund eiserner Doppelspitzbarren in ganz Europa geborgen haben. Dass der Fund nicht im Schrott landete, ist für Archäologe Peter Trebsche von der Universität Innsbruck ein echter Glücksfall.

500 Barren, mehr als eine Tonne Eisen

Archäologische Taucher untersuchten die Fundstelle, aus den Kieshaufen sammelte man die Stücke per Hand. Insgesamt kamen 540 Fragmente zusammen, mindestens 500 Barren mit einem ursprünglichen Gewicht von rund 1.035 Kilogramm. Ein Barren wiegt im Schnitt etwa zwei Kilo. An vielen klebt bis heute Kies und Sand, andere hat der Brecher im Werk gleich „gereinigt“.

© Andreas Blaickner/Markus Staudt/Uni Innsbruck

Radiokarbondatierungen zeigen: Die Barren stammen aus der La-Tène-Zeit, der Zeit der Kelten, vermutlich aus dem 2. Jahrhundert vor Christus. Sie sind damit rund 2.200 Jahre alt und deutlich jünger als ähnliche Funde westlich des Rheins. Und woher kam das Eisen? Schwere Lasten verschiffte man damals flussabwärts, die Herkunft liegt also stromaufwärts. Am wahrscheinlichsten ist die Region um Kelheim und die Oberpfalz in Bayern.

Was war die Ladung wert?

Sehr viel. Eine Tonne Eisen reichte für rund 500 Schwerter oder bis zu 8.000 Nägel. Damit ließe sich fast die Hälfte der sieben Kilometer langen Stadtmauer des Keltenzentrums Manching zusammennageln. Bezahlt wurde ein solches Geschäft wohl in Gold oder Silber, im Wert eines großen keltischen Goldmünzschatzes.

Rohstoffe werden gebraucht

Für die Rohstoffbranche erzählt der Fund gleich mehrere Geschichten. Schon vor 2.200 Jahren hingen Wohlstand und Fortschritt an Rohstoffen und funktionierenden Lieferketten. Die Donau war damals wie heute ein wichtiger Transportweg für schwere Güter. Und: Kies- und Sandgewinnung öffnet immer wieder Fenster in die Vergangenheit. Im Jahr 2023 gingen die Barren als Schenkung an die Oberösterreichische Landes-Kultur GmbH in Linz, wo sie heute dauerhaft verwahrt werden. Die Studie von Peter Trebsche (Universität Innsbruck) und Marion Berranger (CNRS, Frankreich) erschien im September 2026 im Fachjournal Antiquity. Weitere Analysen sollen klären, aus welcher Werkstatt das Eisen genau stammt.

Autor: Evelin Past