
Sicher unterwegs im Steinbruch: Fachdelegation aus Bayern, Baden-Württemberg
und Österreich zu Gast bei Omya in Gummern ©FmR
Kalkstein steckt in mehr Dingen, als man denkt: in der Zahnpasta ebenso wie im Fassadenputz, im Kunststoffgranulat wie im Papier dieser Zeitschrift. Wer wissen will, wo das alles herkommt, wird in Gummern bei Villach fündig. Dort befindet sich der Standort der Omya GmbH, den Mitte August eine Fachdelegation aus Bayern, Baden-Württemberg und Österreich besuchte. Petra Gradischnig und Rudolf Ehrreich (Forum mineralische Rohstoffe), Stefanie Gillhuber (Bayerischer Industrieverband Baustoffe, Steine und Erden) und Daniela Budach (Industrieverband Steine-Erden Baden-Württemberg) ließen sich von Peter Schwei, Head of Operations Austria and Germany, und Quarry Manager Christian Sternig durch eine Welt der Karbonatgesteine führen, die weit über den Baustoffbereich hinausreicht.
Das Schweizer Familienunternehmen Omya blickt auf mehr als 140 Jahre Geschichte zurück und ist längst global tätig. In Gummern werden hochreine Karbonate zu Pulvern, Körnungen und Slurries verarbeitet: Slurries wandern als Füllstoff und Streichpigment in die Papierindustrie, Pulver und Körnungen stecken in Farben, Lacken, Putzen, Kunststoffen und in der Landwirtschaft. Hinzu kommen maßgeschneiderte Produkte für Pharma-, Lebensmittel- und Kosmetikindustrie. Kurz: Kaum ein Lebensbereich kommt ohne Produkte aus Kalkstein aus.
Der Marmor in Gummern wird sowohl im Tage- als auch im Untertagebergbau gewonnen. Spannend wird es untertage. Dort kommt das hauseigene „Omya Raise Mining“-Verfahren zum Einsatz, das bei der 61. Sicherheitstagung 2023 vorgestellt wurde. Zwischen Kopf- und Fußstrecke liegen rund 160 Höhenmeter. Dazwischen wird über eine Vorbohrung und anschließendes Aufweiten ein sogenannter „Raise“, also ein Schacht hergestellt.
Von einer Bohrbühne mit rund vier Metern Durchmesser aus werden die Sprengbohrungen radial gesetzt, das Material fällt in die Kaverne, während sich der Vortrieb etappenweise nach oben arbeitet. Weil die Kaverne No-Go-Zone ist, übernimmt ein ferngesteuerter Liebherr-Radlader die Beräumung – effizient, sicher, und schonend fürs Haldenvolumen, da die Schächte anschließend wiederverfüllt werden.
Sicherheit wird großgeschrieben: Schulung online wie vor Ort, das Ziel null Arbeitsunfälle, getragen von den Werten Bescheidenheit, Zuvorkommenheit, Integrität und Beharrlichkeit. Jede Person im Werk ist verpflichtet, Gefahren zu melden.
Nicht nur vom Sicherheitskonzept, auch vom Gestein selbst zeigten sich die Gäste beeindruckt: Zwei Referentinnen mit geologischem Hintergrund waren vom Farbenreichtum und der grobkristallinen Struktur sichtlich angetan, gleiches gilt für einen Kärntner Bildhauer, der auf der Halde sein Reich gefunden hat. Rekultivierung und Renaturierung unterliegen strengen Audits. Wie Umweltmanagerin Miriam Seebacher betont, sind Nachhaltigkeit und Biodiversität bei Omya kein Auflagenpunkt, sondern gelebter Antrieb. Nach diesem Besuch lässt sich das nur bestätigen.
Autor: Rudolf Ehrreich