
In Deutschland entdecken Frauen die Bau- und Rohstoffbranche zunehmend für sich. Doch wie sieht die Situation in Österreich aus?
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Eine Baustelle ist längst nicht mehr nur ein Ort, an dem körperliche Stärke zählt. Ideen, technisches Know-how und unterschiedliche Perspektiven werden zunehmend wichtiger und damit auch mehr Diversität in der Branche. In Deutschland zeigen Branchenkennzahlen, dass dieser Wandel zunehmend spürbar wird. Der Bericht „Mehr Frau am Bau“ fasste die Ergebnisse zusammen und zeigt: Immer mehr Frauen interessieren sich für Berufe rund um Planung, Bau und Infrastruktur. Doch trotz dieses Trends bleibt die Branche vielerorts männlich geprägt. Doch wie sieht die Situation in Österreich aus? Ein Vergleich zeigt sowohl Parallelen als auch feine Unterschiede.
Deutschland: Hohe Studienzahlen, wenig Frauen auf der Baustelle
Nach Angaben des Hauptverbandes der deutschen Bauindustrie (HDB) studieren inzwischen rund 30 % Frauen Bauingenieurwesen – etwa 18.200 von insgesamt 60.150 Studierenden. Der Einstieg in die Praxis verläuft jedoch deutlich selektiver.
In handwerklichen Bauberufen liegt der Frauenanteil bei lediglich 2,3 %, in der gesamten deutschen Baubranche bei rund 11 %. Hinzu kommt ein Gender-Pay-Gap von etwa 22 %, der auf bestehende strukturelle Ungleichheiten hinweist.
Österreich: Etwas höhere Anteile – ähnliche Herausforderungen
In Österreich zeigt sich ein vergleichbares Gesamtbild, allerdings mit leicht höheren Frauenanteilen. In der Bauwirtschaft, zu der neben klassischen Bauunternehmen auch eng verbundene Bereiche der Rohstoffbranche zählen etwa Sand- und Kiesgewinnung, Zementproduktion oder die Baustoffindustrie, liegt der Anteil weiblicher Beschäftigter zwischen 13 und 14 %.
Daten des Arbeitsmarktservice (AMS) zeigen, dass 2023 rund 13 % der Beschäftigten Frauen waren. 2024 stieg dieser Wert – inklusive geringfügiger Beschäftigter – auf etwa 13,5 %. Im engeren Baugewerbe liegt der Anteil bei etwa 14 %.
Ähnlich wie in Deutschland sind Frauen in handwerklichen Bauberufen jedoch kaum vertreten: Hier beträgt ihr Anteil lediglich rund 1,9 %.
Ausbildung: Mehr Frauen im Studium
Im Bauingenieurwesen liegt der Frauenanteil in Österreich bei etwa 30 bis 32 %. Im gesamten Ingenieurwesen betrug er im Wintersemester 2022/23 rund 32 %.
An technischen Universitäten wie der TU Wien oder der TU Graz bewegen sich die Werte meist zwischen 25 und 30 %, während Fachhochschulen teilweise bis zu 40 % Frauenanteil erreichen. Damit zeigt sich ein bekanntes Muster: Viele Frauen beginnen ein technisches Studium, doch vergleichsweise wenige finden später den Weg auf Baustellen oder in handwerkliche Bauberufe.
Die Lücke bleibt bestehen
Im direkten Vergleich liegt Österreich beim Frauenanteil in der Bau- und Rohstoffbranche leicht vor Deutschland: etwa 13–14 % gegenüber rund 11 %. Die grundlegende Herausforderung bleibt jedoch in beiden Ländern dieselbe: Zwischen der wachsenden Zahl weiblicher Studierender und ihrem tatsächlichen Anteil in der Branche besteht weiterhin eine deutliche Lücke. Der Wandel ist zwar sichtbar, aber er verläuft sehr langsam. Die Bau- und Rohstoffbranche steht aber vor einer großen Chance: Mehr Diversität kann langfristig mehr Fachkräfte bringen.
Autor: Evelin Past, Forum Rohstoffe