Die Euroschotter‑Tagung fand im November 2025 in Marbach am Bodensee statt. An der Veranstaltung nahmen die führenden Vertreterinnen und Vertreter der mineralischen Rohstoffverbände aus Bayern (BIV), Baden‑Württemberg (ISTE), der Schweiz (Baustoff Kreislauf Schweiz), Südtirol (Baukollegium Südtirol) sowie aus Österreich (Forum Rohstoffe) teil.

Die Euroschotter‑Tagung fand im November 2025 in Marbach am Bodensee statt. An der Veranstaltung nahmen die führenden Vertreterinnen und Vertreter der mineralischen Rohstoffverbände aus Bayern (BIV), Baden‑Württemberg (ISTE), der Schweiz (Baustoff Kreislauf Schweiz), Südtirol (Baukollegium Südtirol) sowie aus Österreich (Forum Rohstoffe) teil. © FmR

Vom 13. bis 14. November 2025 fand die EuroSchotter‑Tagung in Marbach am Bodensee statt. Beteiligt waren die führenden Vertreterinnen und Vertreter der mineralischen Rohstoffverbände aus Bayern (BIV), Baden‑Württemberg (ISTE), der Schweiz (Baustoff Kreislauf Schweiz), Südtirol (Baukollegium Südtirol) sowie Österreich (FMR). Zentrales Thema der Tagung war die gesellschaftlich unverzichtbare Sicherung mineralischer Rohstoffe unter zunehmend restriktiven Genehmigungsbedingungen und angesichts wachsenden öffentlichen Widerstands.

In mehreren Ländern ist die öffentliche Wahrnehmung der Rohstoffgewinnung stark negativ geprägt. Aktivistische Protestformen, darunter langfristige Besetzungen insbesondere in Deutschland, richten sich häufig unabhängig vom konkreten Projekt gezielt gegen Abbauvorhaben. Klassische Fachkommunikation erzielt in sozialen Medien kaum Reichweite. Erfolgversprechender sind stattdessen breiter angelegte Kampagnen, emotional vermittelte Inhalte sowie die stärkere Aktivierung von Mitarbeitenden und Mitgliedsunternehmen als Multiplikatoren.

Rohstoffsicherung und Genehmigungen

Auch Genehmigungs- und Erweiterungsverfahren werden in allen Teilnehmerländern zunehmend komplexer. Recycling und die Verwertung von Bodenaushub leisten zwar einen wesentlichen Beitrag, können den Primärabbau jedoch bei weitem nicht ersetzen. In Südtirol werden etwa 50 Prozent der produzierten Gesteinskörnungen mangels ausreichender Abbaugenehmigungen aus Bodenaushubmaterial gewonnen. Erfolgreiche Modelle wie das Schweizer Kiesinspektorat zeigen, dass klare Rahmenbedingungen und regelmäßige Kontrollen den Genehmigungsprozess erleichtern können. Grundsätzlich gilt weiterhin: Primärabbau und Recycling sind gemeinsam notwendig, sie ersetzen einander nicht.

Bodenaushub, Recycling und Abfallrecht

Ein wesentliches Hemmnis stellt die rechtliche Einstufung von Bodenaushub als Abfall dar, da sie hochwertige Anwendungen – etwa im Beton – stark begrenzt. In mehreren Ländern wird deshalb an Lösungen gearbeitet, um Bodenaushub schneller aus dem Abfallregime zu entlassen. Österreich nimmt dabei eine Vorreiterrolle ein. Zusätzlich erschweren PFAS‑Belastungen, geogene Schadstoffe und hohe Feinstanteile die wirtschaftliche Verwertung des Materials.

Der Umgang mit asbesthaltigem Bauschutt ist weiterhin ungelöst und führt oft zur Deponierung selbst gering belasteter Materialien. Gleichzeitig steigen die regulatorischen Anforderungen in Bezug auf PFAS, Quarzfeinstaub und Wassernutzung. Neue Gebühren, wie etwa der Wasserzins in Deutschland, erhöhen den Kostendruck und machen effizientere Wasserführung und verstärkte Recyclinglösungen erforderlich.

Strategische Rohstoffe: Gips und Tone

Auch strategische Rohstoffe wie Gips und Tone rücken stärker in den Fokus. Der Rückgang von REA‑Gips sowie neue Dekarbonisierungsstrategien der Zementindustrie erhöhen den Bedarf an primären Lagerstätten. Die langfristige Sicherung dieser Rohstoffe wird zunehmend als industriepolitisch notwendig betrachtet, während parallel neue Recyclingstrukturen entstehen.

Digitalisierung und KI

Im Bereich Digitalisierung und künstliche Intelligenz zeigt sich, dass KI‑basierte Anwendungen vermehrt in Verbänden und Unternehmen Einzug halten, beispielsweise zur Analyse von Normen und Gesetzestexten. Entscheidend ist dabei der Einsatz geschlossener Enterprise‑Lösungen, um sensible Daten zu schützen. KI gewinnt damit zunehmend an Bedeutung als Effizienz‑ und Wissensfaktor.

Insgesamt steht die Branche vor einem deutlichen Paradigmenwechsel: Rohstoffsicherung, Kreislaufwirtschaft, Akzeptanzmanagement und Regulierung müssen stärker gemeinsam gedacht werden. Für Unternehmen werden frühzeitige Standort‑ und Lagerstättensicherung, rechtssichere Recyclingstrategien, professionelle Kommunikation und Investitionen in Digitalisierung immer wichtiger. Nur durch dieses Zusammenspiel können Versorgungssicherheit, wirtschaftliche Stabilität und gesellschaftliche Akzeptanz langfristig gewährleistet werden.

Autor: Rudolf Ehrreich, Forum Rohstoffe