Am 20. Mai 2020 wurde von der EU-Kommission die „EU-Biodiversitätsstrategie für 2030: Mehr Raum für die Natur in unserem Leben“ veröffentlicht.

 

Dabei werden EU-Maßnahmen und Verpflichtungen vorgeschlagen, um den weltweiten Verlust an biologischer Vielfalt zu stoppen und gleichzeitig globale Standards für eine wettbewerbsfähige Nachhaltigkeit zu schaffen. Mit der neuen Biodiversitätsstrategie werden die Hauptursachen für den Verlust an biologischer Vielfalt in Angriff genommen, wie etwa die nicht nachhaltige Nutzung von Land und Meer, der Klimawandel, die Umweltverschmutzung und invasive gebietsfremde Arten.

 

Die Strategie ist gleichzeitig ein zentrales Element des Aufbauplans der EU. Laut Kommission sei sie von entscheidender Bedeutung, um die Widerstandfähigkeit gegenüber künftigen Pandemien zu stärken oder deren Ausbruch zu verhindern, und um unmittelbare Geschäfts- und Investitionsmöglichkeiten für die Wiederherstellung der EU-Wirtschaft zu schaffen. Sie zielt auch darauf ab, Erwägungen zur biologischen Vielfalt zu einem wichtigen Bestandteil der Gesamtstrategie der EU für wirtschaftliches Wachstum zu machen.

 

Die Strategie umfasst u.a. folgende Vorschläge:

  • Umwandlung von mindestens 30% der europäischen Land- und Meeresgebiete in wirksam bewirtschaftete Schutzgebiete. Ziel ist es, auf den bestehenden Natura-2000-Gebieten aufzubauen und sie durch nationale Schutzgebiete zu ergänzen.

 

  • EU-Plan zur Wiederherstellung der Natur: Wiederherstellung geschädigter und in einem schlechten Zustand befindlicher Ökosysteme in der gesamten EU sowie Verringerung des Drucks auf die biologische Vielfalt.

 

Zentrale Verpflichtungen bis 2030 – u.a.

  • Stärkung der Biolandwirtschaft und biodiversitätsreicher Landschaftselemente auf landwirtschaftlichen Nutzflächen
  • Rückführung in einen freien Flusslauf von Fließgewässern in der EU auf mindestens 25 000 km
  • Aufhalten und Umkehren des Verlusts an Bestäubern
  • Anpflanzen von 3 Milliarden Bäumen bis 2030
  • Reduzierung des Einsatzes und der Risiken von Pestiziden um 50% bis 2030
  • Bodenökosysteme: Die Anstrengungen zum Schutz der Bodenfruchtbarkeit, zur Verringerung der Bodenerosion und zur Erhöhung der organischen Substanz des Bodens sind zu verstärken. 2021 will die EU-Kommission die thematische Strategie für den Bodenschutz der EU aktualisieren; auch der Null-Schadstoff-Aktionsplan für Luft, Wasser und Boden ist für 2021 geplant. Die Bodenversiegelung und die Sanierung kontaminierter Brachflächen sollen in der künftigen Strategie für eine nachhaltige bauliche Umwelt behandelt werden.
  • Neuer Prozess zur Verbesserung der Governance im Bereich der Biodiversität, mit dem sichergestellt wird, dass die Mitgliedstaaten die Verpflichtungen aus der Strategie in ihre nationale Politik integrieren.

 

Aus verschiedenen Quellen (darunter EU-Gelder sowie nationale und private Gelder) sollen insgesamt Mittel in Höhe von jährlich EUR 20 Mrd. für die biologische Vielfalt bereitgestellt werden. Die Strategie wird laut EU-Kommission wirtschaftliche Vorteile mit sich bringen und dazu beitragen, unsere Widerstandsfähigkeit gegenüber künftigen Krisen zu stärken. Die drei wichtigsten Wirtschaftszweige – Landwirtschaft, Baugewerbe sowie Lebensmittel und Getränke – sind in hohem Maße von der Natur abhängig und generieren mehr als EUR 7 Billionen. Der Nutzen des EU-Netzes von Naturschutzgebieten Natura 2000 wird auf EUR 200–300 Mrd. pro Jahr geschätzt.

 

Die Entwicklung und Umsetzung der Maßnahmen soll unter enger Einbeziehung der betroffenen Wirtschaft und der Interessengruppen in den nächsten Jahren erfolgen.

 

 

Die EU-Biodiversitätsstrategie ist unter folgendem Link abrufbar: https://ec.europa.eu/info/sites/info/files/communication-annex-eu-biodiversity-strategy-2030_de.pdf

 

Foto:  © Monica Soldinger Almefelt