Sande und Kiese sind unverzichtbare Rohstoffe, die vorwiegend durch Trocken- und Nassbaggerungen gewonnen werden. Bei Nassbaggerungen erfolgt ein Eingriff in das Grundwasser, welcher die Wasserqualität in Hinsicht auf biologische, organische und anorganische Parameter verändern könnte. Diese Auswirkungen könnten positiv oder aber auch negativ für die Wasserbeschaffenheit sein. Der Schutz des Grundwassers, im Besonderen für den Schutz der Trinkwasserversorgung, ist gerade in der Rohstoffgewinnung eine zentrale Frage.

 

Studie: „Einfluss von Nassbaggerungen auf die Oberflächen- und Grundwasserqualität“

Um eben diese Auswirkungen von Nassbaggerungen auf die langfristige Entwicklung der Grundwasserqualität zu untersuchen, hat das Forum mineralische Rohstoffe vor rund zehn Jahren ein Forschungsprojekt in Auftrag gegeben. Ziel des Projekts war auch zu untersuchen, welche Stoffe über die Atmosphäre als Interaktion mit dem Grundwasser an den Unterwasserböschungen der Nassbaggerungen und über die Sohle bzw. das Sediment ein- und ausgetragen werden. Dazu wurden in Niederösterreich, Oberösterreich und der Steiermark fünf Baggerseen mit einer Größe von 3,8 bis 16,4 ha, einer durchschnittlichen Tiefe von 5 bis 10 m (bei mittlerem Grundwasserspiegel) und einem Alter nach Beendigung der Gewinnung von 1 bis 28 Jahren, herangezogen. Des Weiteren wurden für die Studie 128 bereits publizierte Studien, die den Auswahlkriterien der untersuchten Baggerseen weitgehend entsprachen, einer datenbankgestützten Metaanalyse unterzogen.

 

Keine Belastungen für das Grundwasser

Die Studie lieferte unter Berücksichtigung der untersuchten Seen keine Hinweise, dass Tiefe und Oberfläche der Baggerseen einen wesentlichen Einfluss auf physikalisch-chemische sowie biotische Bedingungen im abstromigen Grundwasser haben. Es konnte kein Einfluss der Baggerseen auf die Konzentration der Schwermetalle Cadmium, Zink, Chrom, Kupfer, Nickel, Blei und Aluminium im Abstrom der Seen festgestellt werden. Die untersuchten Baggerseen sind auch Senken für Nitrat und Phosphat. Eine notwenige Mindestgröße bzw. -tiefe für Baggerseen in Bezug auf den Grundwasserschutz konnte auch aus der nationalen und internationalen Studienlage nicht abgeleitet werden.

 

Die Studie lieferte aber auch Empfehlungen für die Nachnutzung eines Baggersees, weil diese ein individuell zu beurteilendes Risiko des Oberflächen- und Grundwassers darstellt. Aus Sicht des vorsorgenden Grundwasserschutzes ist die Nachnutzung des Baggersees als Landschaftsteich ohne anthropogene Einflüsse wie beispielsweise Fischerei oder Badebetrieb eindeutig zu präferieren. Erfreulich ist, dass es im Rahmen der in den letzten zehn Jahren in Österreich erfolgten Nassbaggerungen zu keinerlei negativen Einflüssen auf das Grundwasser gekommen ist und die Studie in allen Bereichen bestätigt werden konnte.

 

Erstellt wurde die Studie von der Universität Wien, Department für Umweltgeowissenschaften unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Thilo Hofmann und Mag. Christian Müllegger in Zusammenarbeit mit dem WasserKluster Lunz, Biologische Station GmbH, BERG (Biofilm and Ecosystem Research Group) sowie LIPTOX (Lipid and Toxicology Research Group).