Rohstoffsymposium Salzburg
Es wird eng für Kiesgruben und Steinbrüche ...


Rohstoffsymposium Salzburg  -  Fachtagung

Es wird eng für Kiesgruben und Steinbrüche...

Rohstoff-Fachtagung
Rohstoffgewinnung, Raumordnung und Nahversorgung
Eine Fachtagung des Forum Rohstoffe, der ARGE Sand Kies/Bauhilfsgewerbe und der Stein- und keramischen Industrie Salzburg
Salzburg, 18.10.2002

. . . denn der Raum ist ein begrenztes Gut


Zu Meinungsaustausch und Diskussion hat das Forum Rohstoffe im Fachverband der Stein- und keramische Industrie der Wirtschaftskammer Österreich, die ARGE Sand/Kies/Bauhilfsgewerbe Salzburg und die Fachgruppe Stein- und keramischen Industrie Salzburg geladen.
Die Gesprächspartner waren:
  • KommRat Josef Eder, Salzburger Sand- und Kieswerke
  • Ing. Josef Schild, Diabaswerk Saalfelden
  • Dr. Hermann Knoflacher, Inst. für Verkehrsplanung u. Verkehrstechnik TU Wien
  • Hofrat DI Alfred Denk, Landesbaudirektor
  • Dr. Rainer Braunstingl, Landesgeologe
  • Dr. Günther Lutschinger, Geschäftsführer WWF
  • Rohstoffgewinnung, Raumordnung und Nahversorgung

    Österreich kann es sich nicht leisten auf die Nutzung seiner Rohstoffe zu verzichten.
    Alleine im Land Salzburg liegt der Pro-Kopf-Verbrauch an mineralischen Rohstoffen bei rund zwölf Tonnen pro Jahr. Es existieren zwar genügend Lagerstätten, aber können diese auch in Zukunft genutzt werden?
    Was passiert wenn eine vernünftige Nahversorgung nicht mehr gegeben ist?
    Wie gehen die Unternehmen mit der nachhaltigen Nutzung von aufgelassen Gewinnungsstätten um?

    Mit diesen Themen beschäftigte sich das Forum Rohstoffe, eine Initiative des Fachverbandes der Stein- und keramischen Industrie, im Rahmen der Rohstoff-Fachtagung am 18. Oktober 2002 von 9.00-13.00 Uhr im Lehrbauhof in Salzburg.

    Mineralische Rohstoffe: Hoher Bedarf, aber Gewinnung wenig akzeptiert

    "Der Einsatz mineralischer Rohstoffe wird von der österreichischen Bevölkerung gewünscht, die Gewinnung hingegen ist umstritten und kaum akzeptiert", so KommRat Josef Eder, Salzburger Sand- und Kieswerke. Ohne mineralische Rohstoffe wäre die moderne Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft nicht denkbar. Wird ein Österreicher 80 Jahre alt, so benötigt er im Laufe seines Lebens etwa 1000 Tonnen Rohstoffe.
    Für die Errichtung einer Wohnung in einem mehrstöckigen Wohnhaus werden 105 Tonnen an mineralischen Rohstoffen benötigt und für ein Einfamilienhaus sind es 400 Tonnen. Auch eine moderne Verkehrsinfrastruktur ist ohne mineralische Rohstoffe undenkbar: Für den Bau von einem Kilometer Autobahn werden 160.000 Tonnen, und von einem Kilometer Bundesstrasse 64.000 Tonnen an Rohstoffen benötigt. Und nur die Errichtung einer einfachen Parkplatzfläche im Ausmaß von 1000 Quadratmetern erfordert bereits 1200 Tonnen an mineralischen Rohstoffen. Auch das umweltfreundliche Transportmittel Eisenbahn steht ohne mineralische Rohstoff still: 26.000 Tonnen werden für den Bau von einem Kilometer Schienenweg gebraucht.

    Um all diesen Ansprüchen gerecht werden zu können, ist durch die Gewinnungstätigkeit ein zumeist vorübergehender Eingriff in die Natur unumgänglich. Obwohl die Betriebe nur einen geringfügigen Teil der Landesfläche in Anspruch nehmen – es handelt sich um eine Größenordnung von etwa 0,5 % - tritt die Gewinnungstätigkeit doch mit der Natur in Konflikt.
     

    Hofrat Dr. Rainer Braunstingl, Landesgeologe

    "Geologie als Wirtschaftsfaktor – oder warum sind Steinbrüche und Kiesgruben dort wo sie sind?"
    Die Geologie lehrt uns den Aufbau und die Entstehung der Erde. Prinzipiell ist jeder Untergrund ein mineralischer Rohstoff, der sich mehr oder weniger gut zur Verarbeitung eignet. Im klassischen Bergbau (Erz, Öl) wurden im Lauf der Geschichte die reinen und leicht zu erreichenden Lagerstätten ausgebeutet.
    Ähnliches gilt für die Massenrohstoffe. Bis vor wenigen Jahrzehnten war die Lage des Transportweges entscheidend. Heute entscheidet die Verfügbarkeit der Grundstücke und die gesellschaftliche Akzeptanz über Abbau oder Landschaftserhalt. Schon lange ist nicht mehr die technisch beste und billigste Lösung diejenige, die letztlich zu einer positiven Genehmigung führt, sondern die politisch und sozial verträglichste.
    Kiesleitplan:
    Für das Ziel einer möglichst konfliktfreien Nutzung von mineralischen Rohstoffen wurde in den achtziger Jahren der sogenannte Kiesleitplan erfunden, der 1989 in das Massenrohstoffsicherungskonzept mündete. Diese Grundlagenerhebung wurde nie als Steuerungsinstrument verwendet und wird eigentlich weder von der Verwaltung noch von der Industrie besonders beachtet. Einerseits sind die Grundlagen zu unscharf erhoben worden, andererseits verlagern sich Qualitätsansprüche und allgemeine Rahmenbedingen schneller, als man solche Konzepte überarbeiten kann.

    Für viele Massenrohstoffe ist nach dem neuen Mineralrohstoffgesetz eine einzige Verwaltungsbehörde, nämlich die Bezirkshauptmannschaft zuständig. Nach etlichen Anlaufschwierigkeiten könnte hier auch eine Chance liegen, zu einer konfliktärmeren Rohstoffwirtschaft und einer schonenden Nutzung der Ressourcen gelangen, ohne die ganze Rohstoffindustrie gleich mit den Zügeln eines Flächenwidmungsplanes zu belasten.
    Hier kann die Geologie frühzeitig in die Planung eingebunden werden.

    Wenn sie gut gemacht ist spart sie: Zeit, Geld, Ärger, Landschaft/Natur
     

    Hofrat DI Alfred Denk, Landesbaudirektor

    Titel: "Rohstoffgewinnung und Nahversorgung – eine Kontroverse?"
    Ein derartiges Thema beginnt und endet unweigerlich mit einer Verkehrsdiskussion.
    Unsere Städte waren stets Zentren des Handels, des Gewerbes und der Dienstleistungen. Die Güter des täglichen Bedarfes wurden vor Ort erzeugt bzw. in der näheren oder weiteren Umgebung. Nur teure Güter – Gold, Silber, Bernstein oder Salz, um nur einige zu nennen – legten weite Wege zurück. Erst der Ausbau des Wegenetzes, egal ob es wie im römischen Reich aus militärischen Gründen erfolgte, machte bestimmte Rohstoffe wertvoll. Aber auch umgekehrt waren teure Rohstoffe Anlass für den Ausbau des Wegenetzes.
    Das heißt: Rohstoffgewinnung ohne Verkehrsinfrastrukturen ist sinnlos.

    Im Land Salzburg haben wir unser Grundnetz an Verkehrsinfrastrukturen, sowohl Schiene wie Straße. Es wird keine Alemagna geben. Diese Infrastrukturen nützen wir allerdings zum Teil unintelligent. Stau in der Früh und am Abend auf der Straße, die öffentlichen Verkehrsmittel zu diesen Zeiten überfüllt. Dazwischen gibt es noch Freiräume.

    Industrie, Gewerbe und Rohstoffabbau brauchen Hauptverkehrsachsen, auf denen das wertvolle Gut transportiert werden kann. Das dies nicht durch Wohngebiete erfolgen darf ist klar. Umgekehrt braucht jede verkehrsberuhigte Wohnsiedlung einen Anschluss an eine Hauptverkehrsader, sonst hängt die Siedlung in der Luft.

    Wir sehen daraus, dass nicht nur der Rohstoffabbau ein gut funktionierendes Verkehrswegenetz braucht, sondern auch die Bevölkerung. Offensichtlich ist uns jedoch mit dem wachsenden Wohlstand einiges an Zusammengehörigkeitsgefühl verloren gegangen, aber auch einiges an Verständnis von Zusammenhängen, ohne die ein Zusammenleben von vielen Menschen auf engem Raum nicht möglich ist.
     

    Dr. Hermann Knoflacher, Institut für Verkehrsplanung und Verkehrstechnik TU Wien

    "Intelligente Planung im Verkehr spart Rohstoffe"
    Das traditionelle europäische Verkehrswesen hat sich durch höchste Qualität und enorme Ingenieurleistungen ausgezeichnet. Strassenbauten aus dieser Zeit und die Periode der großen Eisenbahnen, deren Anlagen bis heute bestehen, sind ein Beweis für höchstes Know How auf diesem Gebiet.

    Mit dem Einsatz der Maschinen und damit billiger Energie und insbesondere der billigen Transporte war diese Art von intelligenter Planung nicht mehr gefragt. Das Ingenieurwesen verfiel in Quantitäten anstatt Qualitäten und ist bis heute davon gekennzeichnet. Das selbstverständliche Prinzip guten Ingenieurwesens, über Anlagen eine höhere Effizienz zu erreichen, ging verloren. Höhere Effizienz bedeutet bezüglich der Rohstoffe maximale Verkehrsfunktion bei minimalem Rohstoffeinsatz. Dem entspricht auch das intelligente Wirtschaften, nämlich maximaler Gewinn bei minimalem Rohstoffeinsatz, also intelligente Rohstoffbehandlung.

    Im heutigen Verkehrswesen ist davon wenig geblieben. Rohstoffe sind immer noch zu billig. Der Transport spielt keine Rolle.

    Planer von Verkehrsanlagen, wie sie heute errichtet werden, hätten in der Blütezeit qualifizierten Ingenieurwesens kaum Hilfsfunktionen ausüben können. Auch verstößt das heutige Verkehrswesen massiv gegen das Vorsorgeprinzip.
     

    Dr. Günther Lutschinger,Geschäftsführer WWF Österreich

    "Rohstoffgewinnung contra Naturschutz"
    Wo gewirtschaftet wird, ist auch die Natur betroffen. Eingriffe in den Naturhaushalt, wie sie Steinbrüche, Sand- und Kiesgruben darstellen, können bei überlegter Nutzung gerade in intensiv genutzten Landschaften aber auch eine Bereicherung durch wertvolle Ersatzlebensräume bedeuten.

    Die Grundidee der Kooperation zwischen WWF und der Stein & keramischen Industrie ist es, auf Abbauflächen nicht vorrangig teure Rekultivierungsprojekte durchzuführen, sondern der Natur Zeit zu lassen für eine natürliche Entwicklung – für die zeitliche Abfolge von verschiedenen Entwicklungsstadien des neuen Lebensraumes. Maßnahmen wie Bepflanzung oder Teichgestaltung bis hin zu Besuchereinrichtungen wie Beobachtungsplätzen sollen nur nach Festlegung der Gesamtziele realisiert werden.

    Denn erst wenn "Gestalten" und "In Ruhe lassen" sinnvoll abgewogen werden, können gefährdete Arten – aber auch der an der Natur interessierte Mensch profitieren.

  • Für Steinbrüche oder Teile davon Stillegungsübereinkommen zu treffen, um z.B. Brutplätze des Uhu vor Zerstörung zu bewahren
  • Beim Abbau auf die Brutzeit Rücksicht zu nehmen.
  • Gezielte Artenschutz-Maßnahmen setzen, um z.B. Sandwände als Brutplätze für den Bienenfresser zu gestalten
  • Für Bereiche, in denen die Vegetationsentwicklung bereits weit fortgeschritten ist, durch Pflegemaßnahmen Bereiche zu öffnen und für Arten wie Triel, Kreuzkröte und Wechselkröte wieder attraktiver zu gestalten.
  • Bereitstellung von Flächen für Naturschutzmaßnahmen
  • Bedeutend für solche Bemühungen ist ein Umdenken bei den Betrieben und bei den Behörden. Denn der dynamischen Entwicklung zu hochwertigen Lebensräumen stehen meist intensive Nutzungsinteressen im Wege. Nur durch den Verzicht auf Fischerei- oder Deponie-Einnahmen sowie der Umwidmung in Baugrundparzellen kann der Natur ein Spielraum von 10 oder 20 Jahren eingeräumt werden, der für die Erhaltung vieler Arten notwendig wäre.

    Zusammenfassend sei gesagt, dass Nachhaltigkeit am Einzelstandort eigentlich nicht passieren kann; die gesamte Branche jedoch sehr wohl ihren Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung leisten kann!

    Schaffen wir einen Paradigmenwechsel, heißt die präferierte Folgenutzung in Zukunft "der Natur überlassen".
     

    Landesrat Sepp Eisl

    "Das Land Salzburg im Spannungsfeld zwischen Naturbewahrung und notwendiger Rohstoffversorgung"

    Interessenskonflikte
    Die Rohstoffgewinnung im Allgemeinen und die Gewinnung mineralischer Rohstoffe ist mit einem mehr oder weniger großen Flächenbedarf verbunden. Und weil Raum und Fläche in ganz Mitteleuropa ein immer knapper werdendes Gut ist, sind Nutzungs- und damit Interessenskonflikte quasi vorprogrammiert. Konkurrierende Interessen finden sich im Bedarf an Bauland, im Tourismus, in der Land- und Forstwirtschaft bis hin zum Natur- und Landschaftsschutz.

    Interessensabwägung als politische Aufgabe
    Überall dort, wo massive Interessensgegensätze vorherrschen ist die Politik gefordert, eine Abwägung vorzunehmen. Das öffentliche Interesse an der mineralischen Rohstoffgewinnung ist wirtschaftspolitisch außer Streit gestellt. Gesellschaftspolitisch außer Streit steht das öffentliche Interesse an der Erhaltung von Natur und Landschaft. Entscheidungen der Politik sollten alle Interessen im Auge behalten, einen Interessensausgleich bewirken und darüber hinaus transparent und nachvollziehbar sein. Was kann bei einer solchen Entscheidung eine Rolle spielen?

    Die Salzburger Landespolitik sieht es als große Verantwortung an, dafür zu sorgen, dass das knappe Gut Natur und Landschaft nicht unkontrolliert verbraucht und unwiederbringlich zerstört wird, sie erkennt aber selbstverständlich auch den Wert einer starken wirtschaftlichen Entwicklung. Es bleibt die richtige Balance zwischen Ressourcennutzung und Natur- und Landschaftsverbrauch zu finden. Nach Ausklammerung absoluter naturschutzfachlicher Tabuzonen werden Bereiche übrig bleiben, die bei Anwendung modernster Abbau- und Wiederherstellungsmethoden letztlich für die Rohstoffgewinnung zur Verfügung stehen.

    Natur- und landschaftsverträgliche Rohstoffgewinnung ist gebunden an professionelle und starke Unternehmen, die in der Lage sind, die hohen Standards auch umzusetzen.

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    Die Fachtagung wurde allgemein als gelungener Beitrag der Rohstoffwirtschaft zu einem Thema mit steigender Bedeutung bezeichnet.
    Bilder der Gesprächspartner:


    Mitschrift der Diskussion beim Rohstoffsymposium:

    Mitschrift (335 KB)
    Hier finden Sie die Wortspenden der Diskutanten unter der Moderation von Josef Bruckmoser;
    Übertragung der Diskussion vom Band, mit allen Beiträgen, Ideen, Gedankenanstößen und Vorschlägen!