Mineralische Rohstoff-Versorgung in Europa sichern
26.April 2006
- Studie zeigt: Europäische Rohstoff-Planung dringend notwendig!

Der Verbrauch von mineralischen Industrie- und Baurohstoffen wie z. B. Sand, Kies, Schotter, Kalk, Gips und Industrieminerale wächst in Österreich und in Europa seit Jahren stetig. Die Rohstoff-Unternehmen in der EU sorgen mit über 30.000 Gewinnungsstätten, mehr als 150.000 Mitarbeitern und einem Beitrag von rund 15 % zum Bruttoinlandsprodukt der EU für eine sichere und kostengünstige Versorgung der Bevölkerung mit mineralischen Rohstoffen. Eine aktuelle Studie, von der Montanuniversität Leoben im Auftrag der EU Kommission erstellt, zeigt jedoch akuten Handlungsbedarf zur Sicherung der Rohstoffversorgung in Europa auf. Dringend empfohlen werden eine gemeinsame europäische Ressourcenplanung, entsprechende europaweite Geo-Datenerfassung und die verpflichtende Einbeziehung der Gewinnung mineralischer Rohstoffe in die Raumplanung der Mitgliedstaaten.
 

Wir alle nutzen täglich mineralische Rohstoffe – vom Haus- und Straßenbau über die Glaserzeugung bis hin zu Computer, Handy und Zahnpasta. Pro Jahr benötigt jeder Österreicher im Durchschnitt 12 Tonnen mineralische Rohstoffe. Dieser Bedarf wird von über 900 Unternehmen gedeckt, die jährlich mehr als 100 Mio. Tonnen Industrie- und Baurohstoffe gewinnen. Sie sichern damit über 5.000 Jobs, vorwiegend in ländlichen Gebieten, und erwirtschaften acht Prozent des österreichischen Bruttoinlandsprodukts. „Der Verbrauch von mineralischen Rohstoffen wächst weiter. Durch innovative Verfahrenstechniken werden immer wieder neue Verwendungsbereiche erschlossen“, so Komm.-Rat Gerold Neuper, Vorsitzender des Forums mineralische Rohstoffe – der österreichischen Plattform für die Rohstoffgewinnungsunternehmen.

Angesichts des steigenden Bedarfs an mineralischen Rohstoffen ist die langfristige Planung der Rohstoff-Nutzung in Österreich und in Europa dringend notwendig. Die Studie „Minerals Planning Policies and Supply Practices in Europe“ des Instituts für Mining and Tunnelling der Universität Leoben zeigt Handlungsbedarf in mehreren Feldern auf: 
 

- Mineralische Rohstoffe: strategisches Gut
Voraussetzung für langfristige Nutzungspläne sind zuverlässige Daten über die wirtschaftliche Bedeutung mineralischer Rohstoffe in allen EU-Mitgliedstaaten. Neben Produktions- und Umsatzvolumen sowie Anzahl der Arbeitsplätze müssen vor allem Informationen über Gewinnungsstätten und die Weiterverwendung dieser Flächen nach dem Ende der Rohstoffgewinnung gesammelt werden. 

„Die sichere Versorgung mit mineralischen Rohstoffen ist eine strategische Zukunftsfrage für die europäische Wirtschaft, vor allem für Bauunternehmen und Industrie“, erklärt Komm.-Rat Gerold Neuper weiter. „Schließlich hängt der gesamte Infrastrukturbereich genauso wie die Lebensqualität jedes Einzelnen vom gesicherten Zugang zu Bau- und Industrierohstoffen ab. Und diese Rohstoffe sollten natürlich aus heimischer und europäischer Gewinnung kommen.“ Die Studienautoren der Universität Leoben empfehlen daher, die Rohstoffgewinnung und -versorgung in die mittel- und langfristige wirtschaftliche, politische und legislative Planung der EU und ihrer Mitgliedstaaten einzubeziehen. 
 

- Rohstoffversorgung jetzt für die Zukunft sichern!
Langfristige Raumordnung und entsprechende Raumplanung schaffen die Basis für sichere Rohstoffversorgung. Geht es nach den Autoren der Studie, soll Raumplanung und -ordnung daher in Europa künftig auf zwei Ebenen geschehen: langfristig angelegte, nationale Ressourcenpläne sollen die Grundlage für die – auf Landes- oder Gemeindeebene angesiedelte – operative Raumordnung sein. 

Wie die Landwirtschaft zählt die Gewinnung mineralischer Rohstoffe zur so genannten „Urproduktion“. Die ausreichende und sichere Versorgung der Wirtschaft mit kostengünstigen mineralischen Rohstoffen ist im Interesse der Konsumenten unverzichtbar.

„Unser gemeinsames Ziel muss es sein, alle Rohstoffvorkommen in Europa zu erfassen. Die optimale Nutzung von Lagerstätten wird in Zukunft nur möglich sein, wenn solche Hoffnungsgebiete vor anderen Ansprüchen geschützt werden – zum Beispiel vor der Umwidmung in Bauland“, so Komm.-Rat Gerold Neuper. 

Gemeinsam mit dem Europäischen Gesteinsverband UEPG fordert das Forum mineralische Rohstoffe daher die Institutionen und die Mitgliedstaaten der EU auf, die nachhaltige Versorgung der europäischen Wirtschaft rasch sicherzustellen. Gebiete, in denen mineralische Rohstoffe vorhanden sind, müssen besonders geschützt und im Sinne der nachhaltigen Entwicklung Europas für künftige Generationen nutzbar gehalten werden. „Schließlich hängen an diesen natürlichen Ressourcen nicht nur tausende Unternehmen und Arbeitsplätze, sondern auch unser aller Lebensqualität.“
 

Download Extended Summary der Studie der Montanuniversität Leoben (201 KB)

Rückfragehinweis:
Forum Rohstoffe, Mag. Robert Wasserbacher,
Tel. (0) 590 900 – 3534,  steine@wko.at
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